Keine Angst vor dem Thema Tod - Zwei junge Ehrenamtliche engagieren sich im Osnabrücker Hospiz.
Lena und Katharina, beide 29, gehören zu den Jüngsten im Osnabrücker Hospiz. Im April wurde ihnen von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey eine Anerkennungsurkunde für ihr Ehrenamt in der Hospizarbeit überreicht. In abseits berichten sie über ihr junges Engagement, Erfahrungen mit ehrenamtlichen Tätigkeiten und der frühen Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens. Beruflich liegen Welten zwischen Katharina, die Mathematik studiert hat und nun als Ingenieurin arbeitet, und Lena, die neben ihrer Arbeit als gelernte Heilerziehungspflegerin noch einen Master in Management in Non-Profit Organisationen anstrebt. Doch die Beiden eint das ehrenamtliche Engagement im Osnabrücker Hospiz. Während Lena seit 2013 im Kinderhospiz tätig ist, begleitet Katharina seit einem Jahr Erwachsene sowohl stationär im Hospiz, als auch ambulant bei ihnen zuhause. Die Aufgabenbereiche sind vielfältig: „Jeder Mensch, jede Familie ist unterschiedlich“, betont Katharina. Stationär arbeitet sie unter anderem im Abendbrotdienst, bereitet dort das Essen vor und mischt sich dann unter die Bewohner*innen. „Die Gespräche sind so alltäglich, da vergesse ich manchmal, dass ich im Hospiz sitze.“ Ambulante Begleitung bedeutet, den Menschen in ihrem Zuhause zur Seite zu stehen. Teilweise in Form schweigender Sitzwache, teilweise durch Gespräche. Generell geht es darum, da zu sein, und Beistand zu leisten. Der Dienst im Kinderhospiz ist fast ausschließlich ambulant und im Gegensatz zum Erwachsenendienst, bei dem die Begleitung primär in der letzten Lebensphase stattfindet, handelt es sich eher um eine Art Lebensbegleitung, die sich häufig über einen langen Zeitraum erstreckt. Je nachdem welche Bedürfnisse die Kinder oder Jugendliche haben, gehen die Begleitenden mit ihnen spazieren, singen, tanzen und lachen mit ihren Schützlingen oder lesen ihnen vor. Die Frage, die beiden oft gestellt wird ist, warum sie sich gerade für dieses Ehrenamt entschieden haben. Für Lena war es der Moment als sie beruflich mit zwei Todesfällen konfrontiert war und sich unvorbereitet und hilflos im Umgang mit dem Thema fühlte. „Trotzdem merkte ich auch, dass die Gespräche mit den Angehörigen mir nicht so schwerfielen.“ Als sie dann noch ihren Großvater in seinen letzten Lebensstunden begleitete, erwuchs ihr Wunsch, sich ehrenamtlich in diesem Feld einzusetzen. Katharina wurde nach dem Studium schnell bewusst, dass sie sich neben ihrem Bürojob gerne noch sozial engagieren wollte. Als sie ihre Oma in ihren letzten Lebensstunden in Form einer Sitzwache begleitete war klar „Jetzt wird’s Zeit!“ und sie meldete sich beim Hospiz. Als Vorbereitung auf die Tätigkeit im Hospiz belegen alle Ehrenamtlichen über mehrere Monate einen Vorbereitungskurs. „Während dieser Zeit“, erklärt Katharina, „spricht man über alle Themen, die einen während der Arbeit begleiten.“ Dazu gehören neben dem Sterben und der Trauer auch der Umgang mit den Angehörigen. Auch während der Hospiz-Arbeit treffen sich die Ehrenamtlichen weiterhin regelmäßig in festen Gruppen, um Probleme und Erfahrungen auszutauschen und Hilfe zu erhalten, wenn man nicht weiterweiß. „Man ist eigentlich nie allein“, fügt Katharina hinzu. Die Erfahrungen, die beide in ihrer bisherigen Zeit beim Osnabrücker Hospiz machen konnten, sind vor allem geprägt durch sehr viel Dankbarkeit. „Man lernt auch sich selbst zurück zu nehmen, einen Schritt zurück zu gehen.“, sagt Lena, die in ihrer Zeit beim Hospiz viel über Kommunikation lernen konnte. Besonders die Fähigkeit „richtig zuzuhören“ muss man sich erstmal aneignen. „Das Gefühl etwas Sinnvolles zu tun“ ist für Katharina der größte Erfolg ihres Ehrenamts. „Man weiß, für wen man es macht, und der Kontakt zu den Menschen ist sehr bereichernd.“ Die wichtige Arbeit der beiden wurde im April dieses Jahres in Form einer Anerkennungsurkunde gewürdigt. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey startete in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Hospiz- und PalliativVerband e.V., der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. und der Bundesärztekammer eine Initiative zur Würdigung der Hospiz-Arbeit. Die Qualifizierungsurkunde soll den Ehrenamtlichen neben ihrer Wertschätzung auch die Möglichkeit geben, die Kompetenzen, die sie während ihrer Arbeit erlernen, nachweisen zu können. „Es gehört dazu, zivilgesellschaftliches Engagement zu erbringen, weil vieles sonst einfach nicht funktionieren kann. Es klappt nur, weil es Ehrenamtliche gibt, die sich engagieren.“, erklärt Lena und freut sich deshalb über die Urkunde. „Trotzdem würde ich das Ehrenamt nie der Anerkennung wegen machen“, sagt Katharina, und Lena stimmt nickend zu. Dass ein Ehrenamt im Hospiz nicht für jede/n etwas ist, darüber sind sich beide einig. Denn der Umgang mit dem Thema Tod wird nicht leichter, besonders wenn man zu den Menschen eine Beziehung aufgebaut hat. „Aber es ist alltäglicher, normaler geworden und hat nicht mehr diesen Schrecken inne, den ich bei meinem ersten Kontakt mit dem Thema hatte“, sagt Lena ermutigend. Beide wissen, dass um Themen des Sterbens oft der Mantel des Schweigens gehüllt wird, und sind deshalb dankbar für ihre Erfahrungen im Hospiz. Katharina erklärt abschließend, dass das Thema für sie „enttabuisiert“ wurde und rät „keine Angst vor der Berührung mit dem Hospiz und dem Thema Tod zu haben.“  
Erschienen in: abseits – Die Osnabrücker Straßenzeitung, Ausgabe August/September 2019 Text: Joia Holst Foto: Lukas Gruenke